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Das Rentenniveau (Sicherungsniveau vor Steuern)

Das Rentenniveau - im Gesetzestext als „Sicherungsniveau vor Steuern“ bezeichnet - ist wohl die wichtigste politische und gesellschaftliche Messgröße für die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung. Das Rentenniveau misst das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittslohn - die genaue begriffliche Definition der Rentenniveau-Arten findest du weiter unten in der Formelsektion.

Oft wird irrtümlicherweise das Rentenniveau als Kennzahl der Rentenhöhe in Relation zum letzten Gehalt gesehen. Nach dem Prinzip funktioniert die Pension im Beamtensystem, aber nicht das gesetzliche Rentensystem.

Aktuelles Rentenniveau

Aktuelle Daten 2026

Offizielle Werte der Deutschen Rentenversicherung · deutsche-rentenversicherung.de

Rentenniveau netto vor St.
48,00 %
Stand 2026
Rentenniveau brutto
44,60 %
Stand 2025

* Werte ohne Gewähr - maßgeblich sind die offiziellen Veröffentlichungen der DRV und des BMAS.

Rentenniveaugarantie: 48 %

Mit dem sogenannten Rentenpaket II, das Dezember 2015 beschlossen und Anfang 2026 in Kraft getreten ist, hat die Bundesregierung die "Doppelte Haltelinie" nur für das Rentenniveau bis 2031 verlängert. Das garantiert rechtlich, dass das Rentenniveau bis zu diesem Zeitpunkt nicht unter 48 % fallen darf und setzt somit den Nachhaltigkeitsfaktor außer Kraft.

Gesetzliche Grundlagen und Berichterstattung

Definiert wird das Rentenniveau vom Gesetzgeber in § 154a SGB VI. Die sogenannte Rentenniveaugarantie ist in § 255e SGB VI verankert und wurde im Rahmen des Rentenpaket II zum Ende von 2025 verlängert bis ins Jahr 2031. Die Bundesregierung muss das Rentenniveau sowie Projektionen für die nächsten 15 Jahre jährlich im offiziellen Rentenversicherungsbericht ausweisen. Dieser Bericht wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) veröffentlich: Rentenversicherungsbericht

Die langfristige Entwicklung des Renteniveaus ist maßgeblich für die eigene Planung der Altersvorsorge, da sie vorgibt wie groß die Rentenlücke tatsächlich ist, die man mit eigener Vorsorge füllen muss.

Historischer Verlauf des Rentenniveaus

Die folgende Visualisierung zeigt die Entwicklung des Rentenniveaus in der Vergangenheit. Erkennbar ist der langfristig sinkende Trend aufgrund des demografischen Wandels sowie die Stabilisierung seit Einführung der gesetzlichen Haltelinie.

Historisches Rentenniveau

Entwicklung des Rentenniveau (gemäß § 154 Abs. 3a SGB VI)

Zeitraum
Trend absolut, Netto-7.2%-Punkte (1970–2026) 7.2 PP
Trend relativ, Netto-13.0%Gesamtveränderung (1970–2026) Basisjahr 1970
Trend absolut, Brutto-12.7%-Punkte (1957–2025) 12.7 PP
Trend relativ, Brutto-22.2%Gesamtveränderung (1957–2025) Basisjahr 1957
Historisches Rentenniveau - Entwicklung des Rentenniveau (gemäß § 154 Abs. 3a SGB VI)
JahrRentenniveau Netto vor Steuern (%)Rentenniveau Brutto (%)
1957Keine Daten57.3 %
1960Keine Daten53.2 %
1965Keine Daten49.1 %
197055.2 %49.5 %
197555.2 %48.6 %
198057.6 %50.2 %
198157.4 %49.8 %
198258.4 %50.5 %
198357.9 %50.2 %
198458.1 %50.9 %
198557.4 %51.1 %
198656.4 %50.7 %
198756.2 %50.8 %
198856.3 %51.0 %
198956.1 %51.0 %
199055.0 %50.2 %
199153.9 %49.2 %
199253.1 %48.5 %
199353.4 %48.8 %
199454.8 %49.7 %
199553.9 %49.2 %
199653.4 %48.5 %
199754.0 %48.7 %
199853.6 %48.5 %
199953.3 %48.4 %
200052.9 %48.2 %
200152.6 %48.0 %
200252.9 %48.3 %
200353.3 %48.5 %
200453.0 %48.6 %
200552.6 %48.3 %
200652.2 %47.8 %
200751.3 %47.2 %
200850.5 %46.6 %
200952.0 %47.6 %
201051.6 %47.2 %
201150.1 %46.0 %
201249.4 %45.4 %
201348.9 %45.1 %
201448.1 %44.4 %
201547.7 %44.1 %
201648.1 %44.5 %
201748.3 %44.8 %
201848.1 %44.6 %
201948.2 %44.7 %
202048.2 %46.4 %
202148.3 %45.6 %
202248.1 %45.1 %
202348.2 %44.4 %
202448.0 %44.1 %
202548.0 %44.6 %
202648.0 %Keine Daten

* Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittsentgelt.

Formeldefinition des Rentenniveaus

Mathematisch ist das Rentenniveau ein Quotient aus der Standardrente und dem Entgelt der Beitragszahler. Es sind zwei Arten von Rentenniveau gebräuchlich:

  1. Netto-Rentenniveau vor Steuern: Beschreibt das Verhältnis einer Standardrente nach Abzug der Sozialabgaben zum aktuellen Durchschnittsentgelt.
  2. Brutto-Rentenniveau: Setzt die Bruttostandardrente ins Verhältnis zum Bruttodurchschnittsentgelt. (selten verwendet)

Sicherungsniveau vor Steuern (Rentenniveau)

Umgangssprachlich wird diese Kennzahl oft als „das Rentenniveau“ bezeichnet. Das SGB VI definiert es jedoch juristisch exakt als Sicherungsniveau vor Steuern. Ein häufiger Irrtum ist es, im Nenner einfach die aktuellen Sozialabgaben vom aktuellen Bruttolohn abzuziehen. Tatsächlich schreibt der Gesetzgeber (§ 154a SGB VI) hierfür eine rekursive Berechnung vor:

Sicherungsniveaut:=verfu¨gbare Standardrentetverfu¨gbares Durchschnittsentgeltt\text{Sicherungsniveau}_t := \frac{\text{verfügbare Standardrente}_t}{\text{verfügbares Durchschnittsentgelt}_t}
1. Berechnung des Zählers (Rente)
verf. Standardrentet:=(45×aRWab 1. Juli×12)fiktive Jahresrente×(1cRentner,t)Abzug SV-Beitra¨ge\text{verf. Standardrente}_t := \underbrace{(45 \times \text{aRW}_{\text{ab 1. Juli}} \times 12)}_{\text{fiktive Jahresrente}} \times \underbrace{(1 - c_{\text{Rentner}, t})}_{\text{Abzug SV-Beiträge}}

Wobei aRW\text{aRW} der aktuelle Rentenwert ist. Das Gesetz bestimmt, dass der erst ab Juli geltende, neue Rentenwert bereits für die vollen 12 Monate des Jahres für die Rentenniveau-Berechnung anzuwenden ist. cRentner,tc_{\text{Rentner}, t} ist die Summe der von den Rentnern zu tragenden Beitragssätze (Kranken- und Pflegeversicherung).

2. Berechnung des Nenners (Durchschnittsentgelt)
Nettoquotet:=100%cArbeitnehmer,t\text{Nettoquote}_t := 100\% - c_{\text{Arbeitnehmer}, t}verf. Durchschnittsentgeltt:=vDEt1×BEt1BEt2Lohnentwicklung×NettoquotetNettoquotet1Nettoquoten-Vera¨nderung\text{verf. Durchschnittsentgelt}_t := \text{vDE}_{t-1} \times \underbrace{\frac{\text{BE}_{t-1}}{\text{BE}_{t-2}}}_{\text{Lohnentwicklung}} \times \underbrace{\frac{\text{Nettoquote}_t}{\text{Nettoquote}_{t-1}}}_{\text{Nettoquoten-Veränderung}}

Wobei cArbeitnehmer,tc_{\text{Arbeitnehmer}, t} der Arbeitnehmeranteil am Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz im Jahr t ist und BE\text{BE} für die vom Statistischen Bundesamt ermittelten Bruttolöhne steht. Hierbei wird der reguläre AN-Beitrag zur Pflegeversicherung angesetzt, d.h. keine Zuschläge/Abschläge für Kinder.

Der Nenner wird also rekursiv aus dem Vorjahreswert (vDEt1\text{vDE}_{t-1}) ermittelt.

Brutto-Rentenniveau (Statistische Hilfsgröße)

Das Brutto-Rentenniveau hat für die aktuelle politische Diskussion kaum noch Relevanz und wird hauptsächlich für langfristige, historische Zeitreihenvergleiche herangezogen. Es setzt die Standardrente vor Abzug von Sozialabgaben in das Verhältnis zum durchschnittlichen Bruttolohn. Die komplexe Fortschreibung der Nettoquoten entfällt hierbei komplett.

Brutto-Rentenniveaut:=Brutto-StandardrentetBrutto-Durchschnittsentgeltt\text{Brutto-Rentenniveau}_t := \frac{\text{Brutto-Standardrente}_t}{\text{Brutto-Durchschnittsentgelt}_t}Brutto-Standardrentet:=45×aRWab 1. Juli×12\text{Brutto-Standardrente}_t := 45 \times \text{aRW}_{\text{ab 1. Juli}} \times 12

wobei aRWab 1. Juli\text{aRW}_{\text{ab 1. Juli}} der ab Juli gültige aktuelle Rentenwert des jeweiligen Jahres ist.

Medial bekannt ist das "Rentenniveau vor Steuern" unter dem Begriff Rentenniveau - die präzise Bezeichnung dafür im Gesetzestext lautet "Sicherungsniveau vor Steuern".

Hierfür wird gemäß § 154 SGB VI jährlich Bericht erstattet.

Tabelle: Rentenniveau in Zahlen - Datentabelle
JahrRentenniveau (Netto vor Steuern)Rentenniveau (Brutto)
1957-57,3 %
1960-53,2 %
1965-49,1 %
197055,2 %49,5 %
197555,2 %48,6 %
198057,6 %50,2 %
198157,4 %49,8 %
198258,4 %50,5 %
198357,9 %50,2 %
198458,1 %50,9 %
198557,4 %51,1 %
198656,4 %50,7 %
198756,2 %50,8 %
198856,3 %51,0 %
198956,1 %51,0 %
199055,0 %50,2 %
199153,9 %49,2 %
199253,1 %48,5 %
199353,4 %48,8 %
199454,8 %49,7 %
199553,9 %49,2 %
199653,4 %48,5 %
199754,0 %48,7 %
199853,6 %48,5 %
199953,3 %48,4 %
200052,9 %48,2 %
200152,6 %48,0 %
200252,9 %48,3 %
200353,3 %48,5 %
200453,0 %48,6 %
200552,6 %48,3 %
200652,2 %47,8 %
200751,3 %47,2 %
200850,5 %46,6 %
200952,0 %47,6 %
201051,6 %47,2 %
201150,1 %46,0 %
201249,4 %45,4 %
201348,9 %45,1 %
201448,1 %44,4 %
201547,7 %44,1 %
201648,1 %44,5 %
201748,3 %44,8 %
201848,1 %44,6 %
201948,2 %44,7 %
202048,2 %46,4 %
202148,3 %45,6 %
202248,1 %45,1 %
202348,2 %44,4 %
202448,0 %44,1 %
202548,0 %44,6 %
202648,0 %-

Das Rentenniveau wird medial oft missverstanden. Es wird als Verhältnis der Standardrente nach 45 Versicherungsjahren zum Durchschnittsentgelt definiert und hat nichts mit dem letzten Gehalt zu tun.

Annahmen für mehrjährige Simulationen im Rentenbezug

Wenn die Steuerengine eine mehrjährige Simulation berechnet, die bis ins Rentenalter hineinreicht, dann müssen sinnvolle Annahmen für die zu erwartende Rente getroffen werden. Während der Arbeitnehmer-Zeit sind v.a. Durchschnittsentgelt, Beitragssatz und Beitragsbemessungsgrenze wichtig, um zu bestimmen wie viel Rentnebeitrag abgeführt werden muss und wie viele Rentenpunkte man pro Jahr verdient.

In der Renten-Phase spielt dann plötzlich der sog. abstrakte Rentenwert eine Rolle, der vorgibt wie viel Rente man pro Rentenpunkt bekommt. Da dies ein eher abstrakter Begriff ist und politisch und medial oft die Diskussion vom Standpunkt des Rentenniveaus geführt wird, verwendet der Abgabenmonitor die gleiche Herangehensweise und lässt dich einen künftigen Verlauf für das Rentenniveau vorgeben, der zusammen mit dem zu erwarteten Durchschnittsentgelt-Verlauf vorgibt wie viel Rente du z.B. in 20 oder 30 Jahren bekommen wirst.

  • BMAS-Prognose (leicht optimistisch): Diese Annahme würde ich als Basis-Annahme empfehlen, wenn man sich selbst noch keine Meinung gebildet hat welches Rentenniveau man für sich selbst erwartet. Unten findest du die Visualisierung offiziellen Prognose für das Rentenniveau aus dem Rentenversicherungsbericht des BMAS.
  • Status Quo (extrem optimistisch): In diesem Szenario geht man davon aus, dass die Rentenniveaugarantie unbegrenzt fortgeführt wird und die gesamte Belastung des demographischen Wandels auf die Arbeitnehmer abgeladen wird in Form von explodierenden Beitragssätzen.
  • Individuelle Annahmen: Das ist der Vorteil des Abgabenmonitor: Du entscheidest selber mit welchen Annahmen gerechnet werden soll und kannst diese präzise Jahr-genau steuern. Berechne dir mehrere Szenarien und überleg dir selber wie du damit umgehen willst.
  • Meine Meinung: Für meine eigene Planung gehe ich von einem stärker fallenden Rentenniveau aus. Problematisch ist auch, dass das BMAS nur bis 2039 Prognoserechnungen veröffentlicht, was als Planungszeitraum für die meisten natürlich völlig unzureichend ist. Es ist aber sehr schwer methodisch sauber hier ein Standard-Szenario zu definieren das meinen Ansprüchen genügt. Ich plane hier später etwas basierend auf demographischen Hochrechnungen.

Rentenniveau - Historie und BMAS-Prognose

Entwicklung des Rentenniveau netto vor St. (gemäß § 154 Abs. 3a SGB VI)

Zeitraum
Trend absolut, BMAS Prognose-1.7%-Punkte (2026–2039) 1.7 PP
Trend relativ, BMAS Prognose-3.5%Gesamtveränderung (2026–2039) Basisjahr 2026
Rentenniveau - Historie und BMAS-Prognose - Entwicklung des Rentenniveau netto vor St. (gemäß § 154 Abs. 3a SGB VI)
JahrHistorisches Rentenniveau (%)BMAS Prognose (2025) (%)
197055.2 %Keine Daten
197555.2 %Keine Daten
198057.6 %Keine Daten
198157.4 %Keine Daten
198258.4 %Keine Daten
198357.9 %Keine Daten
198458.1 %Keine Daten
198557.4 %Keine Daten
198656.4 %Keine Daten
198756.2 %Keine Daten
198856.3 %Keine Daten
198956.1 %Keine Daten
199055.0 %Keine Daten
199153.9 %Keine Daten
199253.1 %Keine Daten
199353.4 %Keine Daten
199454.8 %Keine Daten
199553.9 %Keine Daten
199653.4 %Keine Daten
199754.0 %Keine Daten
199853.6 %Keine Daten
199953.3 %Keine Daten
200052.9 %Keine Daten
200152.6 %Keine Daten
200252.9 %Keine Daten
200353.3 %Keine Daten
200453.0 %Keine Daten
200552.6 %Keine Daten
200652.2 %Keine Daten
200751.3 %Keine Daten
200850.5 %Keine Daten
200952.0 %Keine Daten
201051.6 %Keine Daten
201150.1 %Keine Daten
201249.4 %Keine Daten
201348.9 %Keine Daten
201448.1 %Keine Daten
201547.7 %Keine Daten
201648.1 %Keine Daten
201748.3 %Keine Daten
201848.1 %Keine Daten
201948.2 %Keine Daten
202048.2 %Keine Daten
202148.3 %Keine Daten
202248.1 %Keine Daten
202348.2 %Keine Daten
202448.0 %Keine Daten
202548.0 %Keine Daten
202648.0 %48.0 %
2027Keine Daten48.0 %
2028Keine Daten48.0 %
2029Keine Daten48.0 %
2030Keine Daten48.0 %
2031Keine Daten48.0 %
2032Keine Daten47.9 %
2033Keine Daten47.4 %
2034Keine Daten47.1 %
2035Keine Daten46.8 %
2036Keine Daten46.6 %
2037Keine Daten46.5 %
2038Keine Daten46.4 %
2039Keine Daten46.3 %

* Zukünftige Daten stammen aus dem Rentenversicherungsbericht des BMAS: Rentenversicherungsbericht

Offizielle Quellen & weiterführende Informationen